Pressemeldung HNA vom 09.08.2007

Zu den Wurzeln des Fests

Geschichte (n) um das witzenhäuser Erntefest -

Üppiges Buch zum Jubiläum

VON WERNER KELLER.....,.... ,

WITZENHAUSEN. Ist das Weinlesefest, das nachweislich seit 1809 gefeiert wurde, der historische

Vorläufer des Erntefestes? Stadtarchivar Matthias Roeper setzt dieser Frage ein klares Nein entgegen:

Die These sei nicht mehr haltbar, heißt es gleich zu Beginn des Buches, das anlässlich des 150 jährigen

Bestehens des Erntefestes herausgekommen ist.

Veranstalter des Weinlesefestes war eine Casinogesellschaft die' sich nach Recherchen des Göttinger

Autors Robert Geißler aus der damaligen Oberschicht zusammen-setzte. „Es gibt für Obst- und

Weinanbau keine glücklichere Lage weit und breit", schrieb Geißler in einem Beitrag für die Leipziger

Illustrierte. Die lustige Bevölkerung der Stadt Witzenhausen feierte seit dem 19. Jahrhundert

„zwei flotte Feste" - das Erntefest und das Weinlesefest, das erstere im September, das andere

im Oktober. Roeper bezieht sich auf Geißler - und kommt zu dem Ergebnis, dass es sich um zwei

verschiedene Feste mit ganz unterschiedlichem Charakter gehandelt hat.

Überschuss von einem Taler, ging man 1867 mit 24 Thalern ins Defizit. Wir feiern zwar seit 150 Jahren

Erntefest, aber das Fest konnte nicht in jedem Jahr stattfinden. So fiel es 1886, 1870 und 1871

aufgrund der Kriegsereignisse aus. Erst 1874 wurde die Tradition weiter geführt.

• Info: 150 Jahre Erntedankund Heimatfest Witzenhausen, 1857 bis 2007, Herausgeber:

Erntefestausschuss. Texte: Matthias Roeper. Herstellung: Feldmann-Druck. Preis: acht Euro.

Ein Vorläufer des Erntefestes ist indes die Fahnenweihe auf dem Markt im Gefolge des Nationalfestes

der Deutschen im Jahr 1832 auf dem Hambacher Schloss. Der Hauptfesttag im Städtchen begann

zu früher Stunde - um 5 Uhr morgens mit dem Weckruf. „Es ist sicher nicht nur eine Theorie,

dass zumindest die Erinnerung an das Fahnenfest der Bürger, die ja bis 1852 regelmäßig

wachgehalten wurde, bei der Entstehung des Erntefestes eine bedeutende Rolle gespielt hat",

schreibt Roeper. Bezugsdatum zum Jubiläum 150 Jahre Erntefest ist also das Jahr 1857 -

und auch in den Programmen der Folgejahre wurden etliche Elemente aus der Zeit der

Fahnenweihe-Feste übernommen. Nachtwachmänner Schon im zweiten Jahr drückte sich die

Verbundenheit zur Stadt aus: Der Stadtrat stellte vier städtische Nachtwachmänner für

außerordentliche Dienstleistungen ab. Erwirtschaftete das Erntefest 1858 einen bescheidenen

Immer wieder neu erkämpft

In manchen Jahren mussten sich die Witzenhäuser ihr Fest häufig genug erkämpfen. Nach

politischen Auseinandersetzungen um die Flurbereinigung schien 1877 das Ende des Festes

vorgezeichnet zu sein. Doch nach nur einem Jahr Pause ging es. 1879 munter weiter.

Wegen ungünstiger Witterung wurde das Feiern 1882 abgesagt. Den Kommentator des

Witzenhäuser Kreisblattes animierte dies zu einer bissigen Glosse: Denn entgegen der

Prognose war das Wetter, bestens. Deshalb schrieb Autor Fehlemich einen Bericht,

wie es hätte sein können. einige Jähre später geriet das Fest aus ganz anderem Grund

in Gefahr: In Hamburg grassierte die Cholera - aus gesundheitlichen Gründen wandten

ich honorige Bürger an den Landrat, er möge gegen die Abhaltung des Festes bei

königlicher Regierung vorstellig werden. Am 12. September 1892 sagte Bürgermeister

von Lorentz das Fest ab.

Doch die Witzenhäuser gaben nicht auf und ließen sich das Feiern doch noch absegnen:

Das 1892-er Erntefest ging als Cholera-Fest in die Annalen ein.

1914 dann fiel das Fest aber tatsächlich aus: Bürgermeister Wickfeldt wurde am 31.

Juli vom Postamt informiert, dass Postamt informiert, dass der Mobilmachungsbefehl

zu erwarten sei. Er traf tatsächlich am 1. August ein. Statt des Erntefestes gab es

Umzüge und Kundgebungen, mit denen der Krieg begrüßt wurde. 1931 wurde das

Werratal von einem verheerenden Unwetter getroffen. An Feiern im alten Stil war

nicht zu denken. Man begnügte sich mit einem Festgottesdienst im Stadion.

Damit wurde an den ideellen Ursprung erinnert: den Dank für Gottes Gaben.

Werner Keller HNA 

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