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Witzenhausen: Bügeln für das Erntefest              HNA 12.01.2013

Hans-Joachim Schröter sorgt für die Deko

Witzenhausen. Jede Hausfrau würde verzweifeln angesichts der überquellenden Kisten mit Bügelsachen, die sich in Hans-Joachim Schröters Wohnung stapeln. Mr. Erntefest, wie er seit vielen Jahren in Witzenhausen genannt wird, scheint sich allerdings nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.

Blumenschmuck: Hans-Joachim Schröter bohrt zwei Löcher in die Plastiksonnenblumen. Anschließend steckt er einen Drahtstift durch die Löcher, so lassen sich die Blumen besser befestigen. Foto: Herbst

Blumenschmuck: Hans-Joachim Schröter bohrt zwei Löcher in die Plastiksonnenblumen. Anschließend steckt er einen Drahtstift durch die Löcher, so lassen sich die Blumen besser befestigen. Foto: Herbst

Er macht es sich auf seinem grünen Sofa bequem und rückt das Bügelbrett zurecht. Als die Sportschau beginnt, hat das Dampfbügeleisen genau die richtige Temperatur erreicht. Mit Blick auf den Bildschirm, nimmt Hans-Joachim Schröter ein Band aus einer der Kisten, besprengt es mit ein wenig Wasser und Stärke und lässt das Bügeleisen hin und her gleiten. Kein Erntefest habe er seit 1967 verpasst, erzählt er. Da sei er mit seiner Frau nach Witzenhausen gezogen.

Über vier Stunden braucht der ehrenamtliche Stadtschmücker, um eine Kiste mit etwa 500 Bändern zu bügeln. Ist es wirklich nötig, jedes einzelne Band zu bügeln? „Ich könnte die Dekoration gar nicht verknittert aufhängen. Das wäre ein Stilbruch“, beantwortet der 67-jährige Steuerberater die Frage.

Und diesen Stilbruch gilt es zu vermeiden. Nach dem Erntefest wäscht Hans-Joachim Schröter alle 400 Fahnen, über 6000 Bänder und 4500 Wimpel, die er selbst angeschafft hat, bei 60 Grad mit extra Farbschutz. Eine zusätzliche Waschmaschine hat er sich dafür besorgt. Seine Ehefrau habe sich beschwert, dass die private Waschmaschine ständig belegt war. Sie ist für die private Wäsche zuständig und bügelt auch seine Hemden.

Nach dem Waschen entwirrt der 67-Jährige die ineinander verknoteten Wimpelketten und hängt sie zum Trocknen auf. Erst zwei Monate später fängt er an zu bügeln. „Etwas Pause brauche selbst ich ab und an“, sagt Hans-Joachim Schröter mit einem breiten Lächeln.

Eine Stadt in Blau-Weiß: Geschmückte Straßen zum Erntefest 2008. Archivfoto: KellerEine Stadt in Blau-Weiß: Geschmückte Straßen zum Erntefest 2008. Archivfoto: Keller

Der Steuerberater hat Ablaufpläne und Checklisten erstellt, um sicher zu gehen, dass er rechtzeitig fertig wird. „Das ist sehr viel Verantwortung“, betont er. Bis zur Kesperkirmes im Juli sollen alle Vorbereitungen abgeschlossen sein. Dann hat er die Wimpel und Bänder gebügelt, die Deko-Sonnenblumen mit einer Halterung aus Draht ausgestattet und überprüft wie viele Fahnen und Bänder er noch bestellen muss.

Hans-Joachim Schröter brennt für das Erntefest: „Bei manchen springt der Funke über, bei anderen eben nicht“. Die Woche vor dem Erntefest nimmt er sich frei, um mit den Bauhofhelfern und Komiteederichen des Erntefests schmücken zu können.

Steht alles macht Mr. Erntefest, so hat ihn der ehemalige Bürgermeister Günter Engel getauft, mit einem Diktatheft den Rundgang. Er notiert fürs nächste Jahr, welche Dekorationen noch optimiert werden könnten. Denn nach dem Erntefest ist bei Hans-Joachim Schröter eben vor dem Erntefest.

Von Ann-Kristin Herbst

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