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Claus Jaeger (83) ist das dienstälteste Mitglied im Erntefestausschuss und alkoholfrei

Seit 58 Jahren geht’s ohne

Witzenhausen. Ziemlich verändert hat sich das Witzenhäuser Erntefest in den vergangenen 58 Jahren. So lange ist Claus Jaeger Komiteederich. Doch eins ist geblieben: Das älteste und auch dienstälteste Mitglied im Erntefestausschuss verzichtet seitdem auf Alkohol.

Seit 1955 mit Zylinder: Claus Jaeger. Foto: privat

Seit 1955 mit Zylinder: Claus Jaeger. Foto: privat

Gerade am Anfang sei das nicht leicht gewesen, sagt Jaeger. „Früher floss ja bei weitem mehr Bier. Aber ich habe es durchgezogen.“ Und die jüngeren Mitglieder des Festausschusses zu denen er zählte, als er 1955 in dem Gremium aufgenommen wurde, standen ziemlich unter der Knute der älteren. „Dann heißt es ’Prost, prost, Kameraden’ und ich sitze da mit meinem Wasser“, sagt der 83-Jährige und lacht.

Er habe es immer als besondere Ehre empfunden, dem Erntefestausschuss anzugehören. Gerade weil die Mitglieder aus allen Bereichen der Bevölkerung kommen, früher wie heute. „Auf die Mischung wurde immer geachtet“, sagt Jaeger.

„Dann heißt es ’Prost, prost, Kameraden’ und ich sitze da mit meinem Wasser.“

Claus Jaeger

Inzwischen laufe die Arbeit viel strukturierter. Früher hätten die Sitzungen der Komiteederiche auch schon mal bis weit nach Mitternacht gedauert, „und hinterher mussten wir fragen, was eigentlich besprochen wurde“. Das habe sich komplett geändert. „Heute ist das ganz toll durchorganisiert“, sagt Jaeger. „Alles ist aufgeteilt in Arbeitsgruppen und jede Gruppe gibt ihr Bestes.“ Früher sei auch jedes Mitglied persönlich dafür verantwortlich gewesen, Plaketten zu verkaufen.

Und wenn man nicht genug an den Mann brachte, „wurde man schief angeguckt“, erzählt Jaeger. „Da sind wir von Haus zu Haus gezogen wie heute die SPD.“

Eine Männergruppe dürfte der Festausschuss aber vorerst bleiben, vermutet Jaeger. Auch wenn der frühere Stadtverordnetenvorsteher, Joachim Tappe, die Komiteederiche stets aufgefordert habe, sich für Frauen zu öffnen.

Verglichen zu früheren Zeiten sei das Erntefest ja schon geradezu revolutioniert worden. Anfang der 50er-Jahre war das Festzelt zum Frühstück am Montag nämlich geteilt durch eine große Plane. Jenseits der Abtrennung trafen sich die Komiteederiche mit den Mitgliedern von Magistrat und Stadtverordnetenversammlung. „Da wurde Stadtpolitik gemacht, zum Teil auch bösartig“, sagt Jaeger.

Frauen waren in dem exklusiven Bereich nicht zugelassen. Als es die erste Stadtverordnete gab, sei tagelang diskutiert worden, wie man die Männerdomäne habe retten können, belustigt sich Jaeger heute über diese Anekdote. Schließlich hätten die Männer klein beigegeben. Seitdem dürfen Frauen beim Erntefest-Frühstück in alle Bereiche des Festzeltes.

Von Claas Michaelis     HNA 21.08.2013

 

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